Jedes Kind ist musikalisch

Kennst du das Gefühl, dass eine bestimmte Musik dir ein Lächeln aufs Gesicht zaubert? Hast du schon einmal eine Gänsehaut beim Hören eines bestimmten Liedes bekommen, oder deine Lieblingsmusik Zuhause oder in deinem Auto so laut gedreht, dass du komplett von den Klängen durchflutet wurdest? Dann kennst du sicher die Glücksgefühle, die dadurch entstehen. 

Jedes Kind ist musikalisch
Renate Weingärtner
Das gemeinsame Musizieren mit anderen Kindern fördert die Motivation zum Erlernen eines Instrumentes.

Längst ist es wissenschaftlich bewiesen, dass durch das Hören von als schön empfundener Musik Glückshormone, insbesondere Dopamin, in unserem Gehirn ausgeschüttet werden. Dopamin, wichtig für unsere Motivation und im Zusammenspiel mit anderen Hormonen u.a. auch für unsere Konzentrationsfähigkeit, macht uns süchtig im positiven Sinne. Die Lust auf Musik ist also ganz natürlich in uns verankert. 

Die Faszination für Musik beginnt schon im Mutterleib 

Kein Wunder also, dass schon Babys verzückt schönen Melodien lauschen. Wissenschaftler:innen konnten feststellen, dass selbst Neugeborene sich an die Musik erinnern, die ihre Mütter während der Schwangerschaft mit ihnen gehört hatten. Die Faszination von Musik und Musizieren nimmt im Kindesalter immer weiter zu und so liegt es nahe, dass bei vielen Kindern irgendwann der Wunsch entsteht, ein Instrument zu erlernen. 

Spätestens dann ist es an der Zeit, dass sich Eltern kompetente Unterstützung für ihr Kind holen und sich auf die Suche nach einer Musiklehrkraft machen. Doch zunächst einmal sollte die Frage nach dem Instrument geklärt werden. Welches Musikinstrument darf es denn sein? Welches ist das richtige? Warum glänzen bei dem einem Kind die Augen, sobald es die Trompete hört und ein anderes ist beim Klavier- oder Gitarrespielen goldrichtig? Über die Vor-, aber auch die Nachteile der gängigsten Instrumente habe ich ein umfangreiches Kapitel in meinem Ratgeber „Jedes Kind ist musikalisch“ geschrieben, welcher als Standardwerk der Eltern-Musikratgeber gilt. 

Ein musikfreundliches Elternhaus und das Ensemblemusizieren fördert die Motivation des Kindes 

Aber rein mit dem „richtigen“ Instrument ist es noch nicht getan. Damit das Erlernen eines Instruments gelingen kann, können neben einer kompetenten Musiklehrkraft einige Faktoren dafür sorgen, dass die Motivation des Kindes dauerhaft erhalten bleibt: Beispielsweise das „musikalische Umfeld“, also das musikfreundliche Elternhaus, in dem Eltern schon mit wenigen Kniffen dafür sorgen können, dass ihr Kind gerne übt. Auch hierzu findest du Tipps in „Jedes Kind ist musikalisch“. Ein weiterer Motivationsturbo ist meist die Mitwirkung in einem Ensemble oder Orchester. Der Kontakt zu anderen musizierenden Kindern und Jugendlichen ist mit das Wichtigste überhaupt, wenn es darum geht, dass die Motivation und der Spaß beim Musizieren erhalten bleiben. Als Musikpädagogin, die schon einige Generationen von Schüler:innen in die Geheimnisse des Trompetespielens eingeweiht hat, kann ich dir sagen, dass ein Jugendorchester, ein Ensemble oder eine kleine Band genau das sind, was junge Menschen dazu motiviert, auch in schwierigen Phasen immer weiterzumachen. 

Wenn es also ein gut geführtes Kinder- oder Jugendorchester in deiner Region gibt, kannst du dich glücklich schätzen – als Eltern, als Musikpädagog:in, aber auch, wenn du einfach nur in dieser Region daheim bist. Denn solch ein Kinder- oder Jugendorchester gibt jungen Menschen eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung abseits von Spielekonsole oder Handy und kann es vollbringen, dass in deiner Region auch in Zukunft noch Anlässe mit Live-Musik festlich umrahmt werden und dort genau das Lieblingsstück musiziert wird, was bei dir eine wohlige Gänsehaut verursacht und dich so glücklich macht. 

Die Gastautorin: Kristin Thielemann

Kristin Thielemann studierte Orchestermusik Trompete und Musikpädagogik an der Musikhochschule Lübeck und war Stipendiatin der Richard-Wagner-Stiftung und der Münchner Philharmoniker. Bereits während des Studiums stand sie als Trompeterin im Orchester der Deutschen Oper Berlin unter Vertrag. Seit 2009 ist sie für den Verlag Schott Music tätig, wo sie viele Beiträge für Fachzeitschriften wie üben & musizieren verfasst, aber auch Notenausgaben für den musikpädagogischen Bereich veröffentlicht hat.

Ihr Ratgeber «Jedes Kind ist musikalisch» (Schott Music 2016) wurde ins Chinesische übersetzt und «Voll motiviert! Erfolgsrezepte für Ihren Unterricht» (Schott Music 2019) ist eine der meistverkauften Veröffentlichungen der praktischen Musikpädagogik.

Kristin Thielemann ist als Dozentin zu Gast an Hochschulen und Universitäten, hält Fortbildungen für Musikpädagog:innen und Eltern-Vorträge. Sie moderiert den Musikpädagogik-Podcast «Voll motiviert».

Als Jurorin ist sie bei Musikwettbewerben in Deutschland, Österreich und der Schweiz tätig. 

Kristin Thielemann