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Außergewöhnliche Blasinstrumente: Vogelhorn

Viele Menschen haben beim Gedanken an Blasinstrumente sofort die Trompete oder das Saxophon vor Augen. Es gibt aber eine sehr große Vielzahl an Blasinstrumenten. Unter dem Motto „Außergewöhnliche Blasinstrumente“ stellen wir dir immer wieder unbekannte oder besondere Blasinstrumente vor. Dieses Mal geht es um das Vogelhorn – ein modernes Naturhorn, das zwar klanglich an das Alphorn erinnert, aber anders aussieht. 

Ein Kompakthorn (Vogelhorn) aus Holz liegt auf Steinboden in der Natur. Im Hintergrund ist ein Bergpanorama zu sehen.
Tobias Horneber
Das Vogelhorn ist eine kompakte Weiterentwicklung des Alphorns. Hier ist das besonders kleine Kompakt- bzw. Rucksackhorn zu sehen.

Was ist ein Vogelhorn?

Das Vogelhorn gehört zur Familie der Naturhörner und orientiert sich klanglich am Alphorn. Genauso wie das Alphorn wird es komplett aus Holz gefertigt. Anders als bei modernen Blechblasinstrumenten wie Trompete, Posaune oder Waldhorn gibt es keine Ventile, die die Tonhöhe verändern. Die Töne entstehen durch die Kombination aus Atemtechnik, Stütze und Ansatz. Genau darin liegt der besondere Reiz der Naturhörner.

Das Vogelhorn verbindet die ursprüngliche Idee eines Naturhorns mit einer moderneren, markanten eckigen Bauweise. Während ein Alphorn vor allem durch seine beeindruckende Länge und seinen weittragenden Klang bekannt ist, ist das Vogelhorn aufgrund seiner kompakten Bauweise, seines markanten eckigen Rohrverlaufs und seines geringen Gewichts von etwa 2,9 kg vielseitig einsetzbar. Für alle, die noch leichter unterwegs sein möchten, gibt es sogar ein Kompakt- beziehungsweise Rucksackhorn.

Erfinder des Vogelhorns ist der Instrumentenbauer und Musiker Robert Vogel aus Mittelfranken. Seine Idee war es, die besondere Klangwelt des Alphorns weiterzuentwickeln und ein Instrument zu schaffen, das auch für moderne musikalische Situationen geeignet ist. Dabei sollte das Vogelhorn das Alphorn nicht ersetzen. Vielmehr entstand eine neue Möglichkeit, den warmen und natürlichen Klang eines Naturhorns in andere musikalische Bereiche zu bringen.

Die besondere Spielweise 

Der Klang eines Naturhorns entsteht ohne Ventile oder Mechanik. Musikerinnen und Musiker formen die Töne allein über ihren Ansatz und ihre Luftführung und können so die Naturtonreihe spielen. Dafür braucht es einen sicheren Ansatz und ein geschultes Gehör. Gerade für erfahrene Blechbläser ist das Vogelhorn eine spannende Herausforderung: Wer bereits Waldhorn, Trompete oder Flügelhorn spielt, bringt wichtige Grundlagen mit, muss aber lernen, noch genauer mit dem eigenen Ansatz zu arbeiten. Das Vogelhorn klingt warm, weich und voll. Es erinnert an den Klang des Alphorns, besitzt durch seine eckige und gewundene Bauweise aber eine eigene Klangfarbe. Das Vogelhorn ist in F gestimmt.

Vogelhorn und Alphorn – ähnlich, aber nicht gleich

Das Vogelhorn und das Alphorn gehören beide zur Familie der Naturhörner. Trotzdem unterscheiden sie sich deutlich. Das Alphorn steht wie kaum ein anderes Instrument für die Alpenregion und einen weit tragenden, offenen Klang. Seine Größe von bis zu 4 Metern macht es beeindruckend, bringt aber auch praktische Herausforderungen bei Transport und Einsatzmöglichkeiten mit sich.

Das Vogelhorn verfolgt einen anderen Ansatz. Durch seine kompaktere Bauweise lässt es sich leichter in unterschiedliche musikalische Zusammenhänge integrieren und eröffnet neue Möglichkeiten für Musikerinnen und Musiker. Da sich der Schalltrichter näher an der Spielerin oder am Spieler befindet, lässt sich der erzeugte Ton besser kontrollieren. Beide Instrumente haben ihren eigenen Charakter: Das Alphorn steht für Tradition und Weite, das Vogelhorn für eine moderne Weiterentwicklung dieser Klangidee.

Die Mamba – ein weiteres außergewöhnliches Naturhorn

Neben dem Vogelhorn gehört auch die Mamba zur Entwicklung von Robert Vogel. Auch sie verfolgt die Idee, den besonderen Klang eines Naturhorns in eine handlichere Form zu bringen. Die Mamba ist aufgrund des verwendeten Recycling-Kunststoffs noch leichter gebaut – und günstiger als das Vogelhorn. Sie eignet sich ebenfalls für Situationen, in denen ein großes Naturhorn weniger praktisch wäre, und bietet einen preisgünstigen Einstieg in die Welt der Naturhörner. Trotzdem bleibt der typische Naturhorncharakter erhalten: ein warmer Klang, ein direkter Tonansatz und eine enge Verbindung zwischen Atem und Musik.

Ein Mann steht auf einem Berg an einem Gipfelkreuz und spielt auf dem Instrument Mamba.
Tobias Horneber
Die Mamba eignet sich aufgrund ihres geringen Gewichts sehr gut zum Musizieren bei Wanderungen.

Das Vogelhorn in der Blasmusik

Außergewöhnliche Instrumente bereichern die Blasmusik vor allem dann, wenn sie neue Klangfarben ermöglichen. Das Vogelhorn findet deshalb seinen Platz in besonderen Bläserensembles, Volksmusikgruppen oder musikalischen Projekten, die nach einem ungewöhnlichen Klang suchen und sich weiterentwickeln möchten - z.B. auch Musikvereine.

Eine besondere Verbindung gibt es auch zur Natur und zu den Bergen. Viele Musikerinnen und Musiker nehmen ihr Vogelhorn mit auf Bergwanderungen und spielen an besonderen Orten in der Landschaft. Ähnlich wie beim Alphorn entsteht dabei ein einzigartiges Klangerlebnis, wenn sich der warme Klang des Instruments mit der Umgebung verbindet. Zwischen Bergen, Weite und Natur bekommt der Klang des Vogelhorns noch einmal eine ganz besondere Wirkung. Gerade diese Möglichkeit macht den besonderen Reiz des Instruments aus: Das Vogelhorn ist nicht nur für den Konzertsaal oder die Bühne geeignet, sondern lädt dazu ein, Musik ganz unmittelbar in der Natur zu erleben. 

In unserem Unterrichts-Finder werden dir Musikvereine in deinem Umkreis angezeigt, die eine Ausbildung auf „Sonstigen Instrumenten“ anbieten – einige davon vielleicht sogar auf dem Vogelhorn. Diese Vereine kannst du über den Unterrichts-Finder kontaktieren und vielleicht bald mit dem Vogelhorn-Spielen anfangen.